Test Notensatzprogramme: Forte 2.0

Forte (nicht zu verwechseln mit dem Newsreader-Programm Forté) ist ein ursprünglich englisches Programm der Firma Midisoft, das inzwischen ab der Version 2.0 in Deutsch erhältlich ist.

Mit ca. 180 Euro gehört Forte noch zu den preisgünstigen Programmen, und für schulische Anwendungen sind Mengenrabatte erhältlich. Zu bekommen ist es direkt beim Lugert-Verlag.

Lieferumfang

Forte kommt auf einer normalen CD. Dazu kommt ein gut 300-seitiges Handbuch, das in das Programm einführt, und das auch später noch als Nachschlagewerk gute Dienste tut. Dazu ein Tipp für Interessenten: Über den oben angegebenen Link gibt es das Handbuch auch als PDF zum Download. Es kann sicher nicht schaden, dies vor dem Kauf mal anzusehen. Außerdem ist dort auch eine Freeware-Version mit reduziertem Funktionsumfang zu bekommen, mit der man ausprobieren kann, ob einem die Bedienphilosophie "schmeckt".

Systemanforderungen (laut Herstellerangaben)

Empfehlenswert ist ferner eine MIDI-taugliche Hardware, möglichst ein Keyboard, und natürlich ein grafikfähiger Drucker für die Ausgabe. Sehr ratsam ist auch ein Bildschirm mit einer vernünftigen Auflösung, sonst verliert man schnell den Überblick…

Zur Windows-Vista-Unterstützung kann ich keine Aussage machen, da ich (wie wahrscheinlich die Mehrheit der "Computermusiker") der aktuellen Vista-Soundhardwareunterstützung misstraue. Alle Aussagen beziehen sich daher auf Windows XP mit SP2 und DirectX 9c. Der ASIO-Treiber ist bei mir von E-MU.

Installation

Schnell und relativ unauffällig. Im Gegensatz zur Version 1.3 besteht Forte auch nicht mehr auf einem Reboot, so dass man sofort loslegen kann.

Auf der Festplatte belegt Forte bescheidene 42 MB (einschließlich aller Beispieldaten). Besitzer komplexer MIDI-Hardware müssen sich noch ein bisschen mit der Konfiguration der Ein- und Ausgabekanäle und/oder ihres Lieblings-VST-Plugins befassen.

Programmoberfläche

Forte präsentiert sich so, wie man es von den meisten Windows-Programm gewohnt ist. Die Menüs sind da, wo man sie üblicherweise erwartet, darunter befindet sich eine Schnellstartleiste, mit der die wichtigsten Funktionen abgekürzt erreicht werden können. Kurz gesagt, wer beispielsweise mit Microsoft Word zurecht kommt, dürfte mit der Bedienphilosophie von Forte kein Problem haben.

Bemerkenswert, weil leider bei vielen Windows-Programmen nicht selbstverständlich: Die meisten Dialoge sind nicht-modal, das heißt, man kann bei geöffnetem Dialogfenster zwischen Editorfenster und Dialogfenster hin- und herwechseln. Dies ist bei der Arbeit sehr angenehm, denn man kann die Dialoge offen lassen, wenn gleichartige Objekte der Reihe nach bearbeitet werden sollen.

Zum Arbeiten gibt es zwei Ansichten: Die Seitenansicht, die in etwa dem Druckbild entspricht, und die Spuransicht, bei dem das gesamte System endlos fortlaufend dargestellt wird. Die Spuransicht ist während der Eingabe die geeignetere; leider werden nicht alle Formatierungen (z.B. der Schrift) von der Spuransicht in die Seitenansicht übernommen. Die nahe liegende Arbeitsweise ist daher, in der Spuransicht die Eingabe vorzunehmen, dann zur Seitenansicht zu wechseln und dort die Schlussformatierung vorzunehmen. Zur besseren Orientierung bei umfangreichen Partituren sind in der Spuransicht die Takte automatisch durchnummeriert.

Für immer wiederkehrende Editierarbeiten, die sich im Ergebnis ähnlich sehen sollen, kennt Forte Standard-Layouts. Etliche davon werden mitgeliefert, aber es ist auch möglich, eigene zu definieren. Für den Einstieg und die ersten eigenen Experimente werden zehn Beispielpartituren und über fünfzig Vorlagen mitgeliefert.

Handbuch und Hilfe

Das Handbuch ist gut gelungen; über Inhalts- und Stichwortverzeichnis wird alles Wesentliche schnell gefunden. Auch zur Einarbeitung in das Programm leistet es gute Dienste. Die Hilfeseiten sind ordentlich und enthalten im Wesentlichen die gleiche Information wie das Handbuch. Nur bei sehr speziellen Detailfragen hat mich das Handbuch manchmal dann doch im Stich gelassen, dazu später mehr.

Noteneingabe

Bei Forte werden musikalische Symbole nicht (wie zum Beispiel die Buchstaben bei einer Textverarbeitung) fortlaufend eingegeben, sondern wie bei einem Zeichenprogramm platziert. Bei einer leeren Seite ist ein Notensystem mit lauter Pausen zu sehen, in das die Noten an beliebiger Stelle hinein gestellt werden. Dabei helfen ein Taktlineal und eine „Zielvorrichtung“, die richtige Stelle zu finden. Trifft man mal nicht die richtige Stelle, kann die Note im Bearbeitungsmodus einfach angefasst und an die korrekte Position geschoben werden. Während der Eingabe ist der gewählte Ton zu hören, sodass auch ein akustisches Feedback gegeben ist.

Das Programm besitzt hier die notwendige musikalische Intelligenz, so dass zum Beispiel die um die Noten verbleibenden Pausen mit dem richtigen Symbol angezeigt werden. Lange Noten, die über Taktgrenzen hinweg gehalten werden, werden automatisch aufgetrennt und mit Haltebögen verbunden, und benachbarte Noten, die kleiner oder gleich Achtelnoten sind, werden passend zu den Taktschwerpunkten gebalkt.

Der Vorteil dieser Eingabephilosophie ist, dass man schon nach kurzer Eingewöhnungszeit zu recht ansehnlichen Ergebnissen kommt. Auch dem Gelegenheitsbenutzer kommt diese Bedienphilosophie entgegen. Neu in Version 2.0 ist die Möglichkeit der Tastaturbedienung, die zwar eine längere Einarbeitung erfordert, aber für häufige Benutzer einen Geschwindigkeitsvorteil bei der Bedienung bedeutet.

Wer mit einem Keyboard umgehen kann, der kann stattdessen die Noten auch über die MIDI-Schnittstelle eingeben. Forte kennt hier zwei Möglichkeiten: einmal die schrittweise Eingabe, und zum anderen den direkten Live-Import der gespielten Melodie. Die erste Methode überzeugt nicht so ganz, da hier Notenlängen und die Eingabeposition ständig mit Maus oder Tastatur umgeschaltet werden müssen, was einem flüssigen Arbeiten entgegensteht. Außerdem wird dabei nicht nur die Tonhöhe, sondern auch die Anschlagdynamik festgehalten, was bei der einzelnen Eingabe von Noten in der Regel nicht zu einem geschlossenen Klangbild in der anschließenden MIDI-Wiedergabe führt, wenn man nicht sehr genau darauf achtet, die Noten immer gleich anzuschlagen. Immerhin lässt sich die Anschlagdynamik auch nachträglich noch korrigieren, entweder pauschal für alle Noten, oder auch einzeln.

Beim Live-Import vom Keyboard macht Forte dagegen eine gute Figur. Gut gelöst ist hier, dass die MIDI-Werte exakt wie gespielt übernommen werden, also einschließlich Anfangszeit, Dauer und Anschlagstärke. Forte benimmt sich faktisch wie ein MIDI-Rekorder und interpretiert die Eingaben erst nach dem Ende der Eingabe als Noten.
Der Nachteil: Noten werden dadurch schon fast zu pedantisch genau angezeigt, und müssen manchmal entweder manuell oder durch eine pauschale Quantisierungsfunktion angepasst werden. Jazz-Musiker müssen also ihren "Swing-Instinkt" unterdrücken, damit die Noten so aussehen, wie sie es gewohnt sind. Natürlich nimmt das direkte Einspielen auch alle Spielfehler gleich mit auf, schon deshalb geht es ohne manuelle Nachkorrektur selten aus. Gelegentliche Fehlgriffe bei Tonhöhe und Dauer sind schnell korrigiert; ärgerlicher sind schon Rhythmusfehler, die machmal eine aufwendigere Nacharbeitung erforderlich machen.
Immerhin bietet Forte eine eingebaute Metronomfunktion, die bei der Live-Eingabe unverzichtbar ist.

Sehr schön gelöst ist das Aufnehmen mehrstimmiger Sätze. Hier kann man sich wahlweise während der Aufnahme die schon vorhandenen Stimmen vorspielen lassen oder nicht. Forte kennt auch diverse Loop-Modi, mit denen man sein „Take“ so lange wiederholen kann, bis es sitzt. Für Musiker, die gerne mit MIDI-Mixern arbeiten, eine vertraute und beliebte Vorgehensweise, die Forte hier auf Noteneingabe überträgt.
Die Eingabegeschwindigkeit lässt sich in weiten Grenzen regeln, so dass auch Ungeübte schnell damit zurecht kommen.

Was die sonstigen musikalischen Symbole, wie Betonungen, Verzierungen, usw. angeht, so bleibt zumindest im modernen Notensatz kaum ein Wunsch offen. Die heute üblichen Notenschlüssel werden unterstützt und können an jeder Stelle in der Zeile stehen; bei einer nachträglichen Schlüsseländerung werden die Positionen der nachfolgenden Noten automatisch angepasst. Mit Taktänderungen verhält es sich ebenso. Sehr selten und vor allem in alter Musik gebrauchte Symbole fehlen, können aber oft durch Standardsymbole ersetzt werden. Eine Erweiterung des Symbolumfangs ist leider nicht möglich.

Viele der Musiksymbole, die den Klang beeinflussen, haben auch tatsächlich einen Einfluss auf die MIDI-Wiedergabe. Die meisten Angaben wie forte, piano, staccato usw. sind tatsächlich hörbar (sehr schön: auch die Verzierungen und Vorschlagnoten). Dadurch gewinnt die MIDI-Ausgabe deutlich an Ausdruck, auch wenn sie im Vergleich zu einer menschlichen Aufnahme natürlich noch immer reichlich steril klingt. Leider gilt dies nicht für alle Musiksymbole; eine schmerzliche Lücke hat dieses Prinzip leider beispielsweise bei Legatobögen, die musikalisch nicht umgesetzt werden.

Etwas verbesserungsfähig ist bei Legatobögen auch die Darstellung, die leider nicht immer so aussieht, wie man es sich wünschen würde, und die nachträglich nur sehr begrenzt geändert werden kann.
Ebenso wie die Bögen sind auch Balken in Notengruppen nur begrenzt formatierbar. Eine Einschränkung ist dies aber nur für Perfektionisten, denen es auf das letzte Quäntchen Schönheit ankommt.

Hervorzuheben ist übrigens, dass Forte Akkordsymbole Griffbilder und sogar Tabulaturen für Gitarre von Haus aus unterstützt. Leider haben diese Akkordsymbole keinen Einfluss auf die MIDI-Wiedergabe, klingen also nicht als Begleitakkorde. Immerhin sind sie aber sehr einfach transponierbar. Nützlich ist in diesem Zusammenhang auch die Funktion „Akkorde analysieren“, die bei mehrstimmigen Sätzen (aber leider nicht bei einstimmigen Liedern) die möglichen Gitarrenakkorde dazuschreibt. Man muss sich dann nur noch die passenden heraussuchen.

Bearbeiten

Das nachträgliche Bearbeiten einzelner Noten geht relativ einfach. Die Position und die Tonhöhe einer Note kann dadurch geändert werden, dass die Note mit der Maus gepackt und an die neue Position gezogen wird. Um die Länge einer Note zu ändern, muss allerdings ein Dialog geöffnet werden; oft ist es da einfacher, die Note zu löschen und neu einzutragen. Getreu der Bedienphilosophie von Forte hinterlässt das Löschen einer Note erstmal eine Lücke in Form einer Pause, die nachfolgenden Noten werden also nicht automatisch vorgezogen.
Das Verschieben von Noten klappt aber auch gruppenweise, wenn mehrere gleichzeitig markiert werden.

Verbesserungswürdig ist beim Verschieben oder Kopieren von Noten, dass manche der Formatierungen oder Verzierungen verloren gehen, beispielsweise nachträglich formatierte Balken oder Fähnchen, oder enharmonische Verwechslungen. Es scheint mir, dass Forte sich intern nur die MIDI-Repräsentierung merkt und bei der Rückwandlung in Noten Fehler passieren.

Ebenfalls verbesserungswürdig: Das Verschieben von Sequenzen in der Tonhöhe erfolgt chromatisch, was nicht immer der musikalischen Logik entspricht. Eine diatonische Verschiebung, zumindest als Option, wäre eine nützliche Erweiterung.

Jedes musikalische Element, egal ob Noten, Akzent, Verzierung oder ein anderes Symbol, kann auch über einen Eigenschaftsdialog geändert werden. Dieser ist nicht-modal und ändert sich automatisch, wenn ein anderes Element selektiert wird – eine sehr schöne Sache, die ich gerne verwendet habe. Probleme hatte ich manchmal mit sehr kleinen Akzenten, die mit der Maus schwer zu selektieren sind (Tipp: starke Vergrößerung hilft).

Tonart und Notenschlüssel können leicht geändert werden, und die Noten werden automatisch an die neuen Verhältnisse angepasst. Auch das Transponieren von ganzen Zeilen oder Teilen davon geht problemlos.

Ebenso einfach ist das Hinzufügen von Liedtexten. Bei der Eingabe eines Bindstriches wird auf die nächste Note weitergeschaltet, und bei der Eingabe eines Unterstriches wird an die Silbe ein Haltestrich bis zur folgenden Note gesetzt. Notenabstände werden bei langen Silben angepasst, ebenso werden überlange Abstände zwischen Silben automatisch mit Bindestrichen aufgefüllt. Nur bei sehr enger Fassung kann es passieren, dass die Silben ineinander rutschen, wobei dann die Bindestriche leider nicht entfernt werden. Dann muss manuell nachgearbeitet werden.

Für zusätzliche Strophen im Blocksatz, wie bei Liedern üblich, gibt es eine eigene Funktion. Daneben ist es auch möglich, Texte an beliebiger Stelle im Blatt zu verankern, zum Beispiel für Überschriften oder Copyrights.

Neben der direkten Positionierung in einem Takt kennt Forte auch eine manuelle „Feinjustage“ von Noten und anderen Symbolen, die zwar den musikalischen Inhalt nicht ändert, aber zu einem gefälligeren Druckbild führen kann.

Die hier beschriebenen „Unschönheiten“ bei der Bedienung sollten aber nicht zu stark bewertet werden, da man sich sehr schnell eine Bedienung angewöhnt, bei der man diese Klippen umschifft. Der Mensch ist ja im Gegensatz zum Computer lernfähig. :-)

MIDI-Unterstützung

Die MIDI-Unterstützung geht bei Forte sehr weit. Die Eingabe über ein MIDI-Keyboard war ja oben schon erwähnt. Zusätzlich wird noch ein Mischpult geboten, mit dem jede einzelne Stimme nach Lautstärke werden kann. Für jeden Kanal können auch eine Reihe Effektfilter eingestellt werden, wobei die Effekte zumindest bei mir eher schwach ausgeprägt waren. Abgerundet wird die MIDI-Unterstützung durch die Möglichkeit, MIDI-Systemereignisse zu definieren. Fast unnötig zu erwähnen ist, dass Forte auch mit Software-Synthesizern, die sich an die VST-Plugin-Schnittstelle halten, zusammenarbeitet. In der Version 2.0 ist auch der Fehler weg, der beim Entladen von VST-Plugins das Programm öfters mal abstürzen ließ. Wer selbst noch keinen VST-tauglichen Synthesizer hat, bekommt mit Forte den (freilich minimalistischen) Freeware-Soundplayer SFZ zum Ausprobieren mitgeliert. Für meine Versuche habe ich diesen Soundplayer verwendet (mit dem Universal-GM25-Soundfont), daneben auch den Proteus X LE Synthesizer. Bemerkenswerte Unterschiede habe ich keine gefunden; Forte kam mit beidem gleich gut zurecht.

Forte hat auch einen Pianorollen-Editor integriert, der Tonhöhe und andere MIDI-Parameter graphisch darstellt. Für ganz hartnäckige Fälle können sogar die einzelnen MIDI-Events angezeigt und geändert werden. Da dies aber eher mühsam ist, wird man wohl selten so weit gehen wollen…

Beim Import von MIDI-Dateien zeigt das Programm ein gemischtes Bild. Alle Inhalte, die in einer MIDI-Datei vorhanden sind, werden gut erkannt und umgesetzt, schwer tut sich Forte aber mit der Umsetzung musikalischer Inhalte, die nicht direkt enthalten sind, also dem „Raten“ der korrekten Darstellung. So müssen zum Beispiel Notenschlüssel und Wiederholungen regelmäßig von Hand korrigiert werden. Große Probleme machen auch Verzierungen wie Triller und Mordent, ebenso wie sehr kurze Noten. Diese Verzierungen werden oft als Sekundakkorde angezeigt, aber irritierenderweise in der MIDI-Wiedergabe trotzdem richtig gespielt. Auch polyphone mehrstimmige Stücke überfordern das Programm (zugegeben, das hätte ich auch nicht anders erwartet). Bei Klaviersätzen ist es mir leider nicht gelungen, linke und rechte Hand zu trennen; alles wird in eine Notenlinie geschrieben.

Videosynchronisation

Hobby-Filmmusiker werden es mögen: Forte kann seit der Version 2.0 ein Video laden und zeitsynchron mit den Noten wiedergeben. Damit kann man die Tempi seines Werks feinjustieren, so dass sie genau passend zu den Szenen klingen. Leider hat sich hier ein etwas kurioser Fehler eingeschlichen: Bei Wiederholungszeichen springt auch das Video an den Anfang der Wiederholung zurück; nicht unbedingt das, was man als unbedarfter Benutzer erwarten würde.

Dateiformate

Wie die meisten Notensatzprogramme hat Forte nativ ein eigenes, internes Format (.fnf). An Austauschformaten (Schreiben und Lesen) wird unterstützt: MusicXML und MIDI. Systembedingt geht leider bei beiden Formaten Information verloren (bei MIDI etwas mehr und bei MusicXML etwas weniger), so dass beim Einlesen dieser beiden Dateiformate die Darstellung nicht mehr exakt dem Original entspricht. Diese Dateiformate sind mithin nicht als Speicherformate, sondern wirklich nur als Austauschformate geeignet.

Seit Version 2.0 kann Forte auch CapXML lesen (nicht schreiben) und damit Dateien aus dem Programm Capella übernehmen. Leider ist auch diese Konversion mit etlichen Fehlern behaftet, so dass meist ziemlich viel nachbearbeitet werden muss. Da aber CapXML zumindest bezüglich des Informationsgehalts einigermaßen vollständig ist, besteht für zukünftige Forte-Versionen die Hoffnung auf Besserung.

Exportformate (nur Schreiben) sind: diverse Bildformate (JPEG, TGA, TIFF, BMP) und PostScript (EPS). PDF wird von Haus aus nicht unterstützt, kann aber durch einen externen Druckertreiber (Beispiel: cutePDF) leicht erreicht werden.

Melodien können außer als MIDI auch als WAV und sogar im MP3-Format ausgegeben werden. Dieses Feature hat mir anfangs ziemlich Kopfzerbrechen bereitet, denn bei den ersten Versuchen waren die Dateien durchgehend mit Nullen gefüllt — das Ergebnis war also immer Schweigen. Die Ursache lag schließlich an einem unerwarteten Verhalten von Forte: Anstatt die Ausgabedatei direkt zu berechnen, wird die Ausgabe erzeugt und innerhalb der Soundkarte über den WAV-Eingang wieder aufgefangen und erst danach konvertiert. Was ich erst nach längerem Suchen herausgefunden habe, war dass ich dazu in meiner Soundkarte (eine E-MU) einen Returnpfad konfigurieren muss. Im Nachhinein war die Sache eigentlich logisch, aber bis ich da drauf gekommen bin, hat reichlich lange gedauert.

Der Sinn dieses Features liegt darin, dass die Konvertierung genau das Ergebnis liefert, das man auch beim Abspielen hört! Alle verwendeten VST-Geräte und Filter werden bei der WAV- oder MP3-Generierung genau so berücksichtigt, wie sie eingestellt sind. Wahrscheinlich würde das Verfahren sogar mit einem Hardware-Synthesizer funktionieren (was ich nicht nachgeprüft habe). Nachteil: die Konvertierung erfolgt in Echtzeit, und daher ist der Computer ist bei dieser Konversion ganz schön beschäftigt! Bei meinem (zugegeben nicht mehr High-End) PC kam es zum Beispiel bei der MP3-Generierung zu hörbaren Aussetzern, die ich auf die mangelnde Rechenleistung zurück führen würde. Meine empfohlende Vorgehensweise ist daher, nur WAV-Dateien zu generieren und sie später offline, zum Beispiel mit LAME, zu komprimieren. Die weiter unten im Download angebotenen MP3-Hörbeispiele sind auf diese Weise entstanden. Aber auch dieses Verfahren hat bei mir zur zwar kleinen, aber bei genauem Hinhören merklichen Störungen geführt (vielleicht sollte ich mir doch mal einen neuen PC zulegen). Zum Vergleich habe ich daher dasselbe MIDI-Stück in den Software-Mixer Cubase LE geladen, der Audiodateien nicht in Echtzeit erfasst, sondern sie rechnet. Wie erwartet waren die Störungen dann weg.

Druckausgabe

Gegen die Druckausgabe ist wenig einzuwenden. Die Ausgabe ist sauber und weitgehend frei von störenden Pixel-Artefakten. Der voreingestelle Zeichensatz führt zu einem modernen und ansprechenden Erscheinungsbild. Absolute Perfektion darf man freilich nicht erwarten; wer mit der Lupe nach Fehlern sucht, wird auch welche finden…

Zusammenarbeit mit anderen Programmen

Forte kann Objekte anderer Programme einbinden, wenn diese OLE unterstützen. Damit ist es möglich, Bilder einzubinden, oder beispielsweise einen Word-Text, eine brauchbare Alternative zu den vorgegebenen Liedstrophen im Blocksatz.

Umgekehrt ist eine Einbindung von Notenzeilen in andere Programme leider nicht möglich, da Forte selbst keine Automatisierungsschnittstelle anbietet. Die einzige Möglichkeit ist das Abspeichern als Bild (JPEG oder TIFF), das dann in die meisten Textverarbeitungen eingefügt werden kann.

Ein nützliches Feature ist der so genannte „Kameramodus“. Dahinter verbirgt sich eine Funktion, mit der ein rechteckiger Teil aus den dargestellten Partitur in die Zwischenablage übernommen und in ein anderes Programm, das einen Grafik-Import zulässt, übertragen werden kann. Damit spart man sich den Umweg über Alt-Druck und die Nachbearbeitung mit einem Bildbearbeitungsprogramm. Vor allem Lehrer, die Unterlagen für den Unterricht erstellen, werden diese Funktion lieben.
Forte überträgt die Noten hier als Grafik genau wie im Eingabefenster angezeigt, also mit allen aktuellen Formatierungen und genau in der dargestellen Skalierung.

Beispielsätze

Volkslied: „Kein schöner Land“

Das Lied hat zu Anfang einen Auftakt, der gesondert behandelt werden muss: Die Taktangabe wird im ersten Takt „gefälscht“, das heißt, als 3/4 angezeigt, aber für das Programm mit dem Wert 3/8 angegeben. Im zweiten Takt muss dann richtige Taktangabe 3/4 nochmals geschrieben und versteckt werden. Das ist zwar eine etwas ungeschickte Operation, bringt jedoch die Anzeige und die interne MIDI-Darstellung in Einklang.

Der nächste Stolperstein ist die Doppelwiederholung in der Mitte von Takt 3. Forte kennt kein Doppelwiederholungszeichen, aber die beiden Einzelwiederholungen lassen sich problemlos übereinander legen. Der naive Versuch, die Wiederholung zwischen die erste und zweite Note in den Takt zu legen, führt allerdings zu dem kuriosen Effekt, dass die gespielte Dauer der Schlussnote verkürzt wird, da die Wiedergabe sofort da, wo das Wiederholungszeichen steht, wieder an den Anfang springt. Das Wiederholungszeichen muss also genau auf die Mitte des Taktes gelegt werden, wo eigentlich schon die nächste Achtelnote steht. Hier hilft das „Feintuning“ der Position: durch Verschieben nach links kommt das Wiederholungszeichen anschließend an eine Stelle zu stehen, wo es nicht nur musikalisch, sondern auch optisch passt. Dies ist übrigens eine der Formatierungen, die man besser in der Seitenansicht macht, da sie von der Spuransicht nicht in die Seitenansicht übertragen wird.

Forte setzt zunächst alle Achtel und kleiner als gebalkte Noten. Der nächste Schritt ist die Auflösung in Einzelnoten mit Fähnchen, wobei bei diesem Lied sie stimmlich an eine Silbe gebundenen Noten gebalkt und mit Legatobogen verbunden sein sollen. In der Seitenansicht sind diese Legatobögen nicht immer überzeugend; eine Veränderung der Bogenhöhe führt aber zu einem akzeptablen Ergebnis.

Nächster Schritt: Die Liedtexte. Die Eingabe von Strophe unter den Noten geht flott, Strophennummern können automatisch hinzugefügt werden, und am Ende der Zeile springt die Schreibmarke gleich an den Anfang der nächsten Strophe. Soweit gut, leider kann Forte nicht ohne weiteres den alternierenden Text am Anfang darstellen. Dies konnte dadurch gelöst werden, dass die zweite Zeile als nicht nummerierte zweite Strophe eingegeben wurde.
Die weiteren Strophen wurden im Blocksatz eingegeben, der automatisch unter dem Notenblock ausgerichtet wird (manuelle Verschiebung war allerdings auch hier nötig, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen). Leider können diese Blocksatz-Strophen nicht automatisch nummeriert werden, aber das Ergebnis ist trotzdem zufrieden stellend.

Titel und Autorenangaben geändert, eine Fußzeile angefügt, und ein paar letzte Anpassungen der Anzahl der Takte pro Zeile und der Position der Voltenklammern, und das Resultat kann als fertig bezeichnet werden:

Forte
Kein Schöner Land
Audio
MIDI
PDF
MP3 (Forte)
PDF
MP3 (Cubase)
PDF
Ausdruck

Wie oben erwähnt, ist das erste MP3-Beispiel mit dem mit Forte mitgelieferten SFZ-Plugin entstanden, das zweite dagegen über einen Import der MIDI-Datei in Cubase LE und anschließendem Rendern. Beide Wege führten über eine WAV-Datei, die anschließend mit LAME nach MP3 konvertiert wurde.


Klaviersatz: Dietrich Buxtehude, „Courante“

Forte liefert für einen Klaviersatz eine fertige Vorlage, diese geöffnet und ein sofort brauchbares Notenblatt ist vorhanden.

Bei diesem polyphonen Stück werden im äußersten Falle sechs parallele Stimmen gebraucht, was für Forte mit seinen acht möglichen kein Problem darstellt. Hier zeigt sich die Stärke der Methode der freien Platzierung der Noten; man muss sich also nicht bei jeder Stimme von Anfang an bis zur vorgesehenen Position durchhangeln. Nachteilig ist die automatische Auffüllung der Takte mit Pausen in jeder Stimme, denn das führt zu einem undurchsichtigen Notenbild. Immerhin lassen sich die unnötigen Pausen leicht löschen, und die musikalisch sinnvollen verschieben, so dass das nur ein vorübergehendes Problem ist. Schade nur, dass man Pausen nicht so leicht wie Noten per Mausklick verschieben kann, dann wäre es noch einfacher.

Das Ergebnis ist, wenn man die Komplexität bedenkt, erstaunlich schnell fertig, und das Notenbild ist auch ohne viel Nacharbeit (außer bei den Pausen) sehr ansprechend. Überraschend ausdrucksvoll ist hier die MIDI-Ausgabe, die durchaus schon als Übungsmuster hergenommen werden kann.

Forte
Courante
Audio
MIDI
PDF
MP3 (Forte)
PDF
MP3 (Cubase)
PDF
Ausdruck


Orchesterpartitur: Weihnachtsoratorium

Auch für komplexe Partituren liefert Forte eine vorgefertigte Vorlage, die mit geringen Anpassungen für den Orchestersatz geeignet ist. Die transponierenden Instrumente waren kein Problem und wurden auch in der MIDI-Ausgabe korrekt umgesetzt.

Im Bachschen Originalsatz wird bei der Sopranstimme der Sopranschlüssel verwendet, den Forte nicht kennt. Ich habe daher bei den Singstimmen die heute gebräuchlichen Violin- und Bassschlüssel verwendet; Bach würde mir das sicher verzeihen.
Nicht verzeihen würde er mir wahrscheinlich die MIDI-Ausgabe, die, bedingt durch die hier verwendete Einzeleingabe der Noten, eher roh und unmusikalisch klingt und nur als Vorschaufunktion geeignet ist. Gleiches gilt natürlich auch für die MP3-Versionen. Man mag das aber eher für einen Vorteil halten, denn wenn der Computer alles könnte, wozu bräuchte man dann noch Musiker…?

Etwas mühsam einzugeben waren die Generalbassziffern. In der von Bach verwendeten Form (zum Beispiel die durchgestrichenen Ziffern) war es gar nicht möglich; ich musste mir hier mit einer alternativen Form behelfen und sie außerdem als an Noten angehängte Texte eingeben. Ganz überzeugend ist das Ergebnis trotzdem nicht, und natürlich werden sie bei der MIDI-Ausgabe auch nicht in klingende Akkorde umgesetzt. Okay, das wäre vielleicht auch ein bisschen viel verlangt, aber wünschen kann man es sich ja mal, oder?

Bei den Flöten- und bei der Bassbegleitung kommt es vor, dass Stimmen in einer Zeile vorübergehend aufgesplittet werden müssen. Durch die Eingabephilosophie von Forte ist das sehr einfach und schnell möglich. Auch die langen Pausenzeiten in einigen Stimmen sind überhaupt kein Problem, da Forte diese schon vorbelegt hat, und nur die Noten eingegeben werden müssen.

Insgesamt gesehen schlägt sich Forte bei diesem Test sehr gut. Die Eingabe der recht großen Menge an Noten geht flott vonstatten, und die MIDI-Ausgabe gelingt ohne Absturz; bei der Menge der MIDI-Events ist dies unter Windows nicht unbedingt selbstverständlich.

Das Laden der etwa 2MB großen FNF-Datei erhöht den Hauptspeicherbedarf des Programms um etwa 9 MB auf insgesamt etwa 39 MB. Die in den Systemanforderungen angegebenen Mindestangaben von 64 MB dürften bei solch großen Partituren also etwas knapp bemessen sein.

Forte
Jauchzet, frohlocket
Audio
MIDI
PDF
MP3 (Forte)
PDF
MP3 (Cubase)
PDF
Ausdruck

Stabilität

Das Programm benimmt sich im Großen und Ganzen gutmütig. Reproduzierbare Abstürze traten beim Test von Forte 2.0 im Gegensatz zur Version 1 nicht mehr auf. Selten ist es mir passiert, dass sich das Programm mit einem Absturz verabschiedet hat; allerdings nicht öfters, als man das von anderen Windows-Programmen (leider) auch kennt. Ob die Schuld bei Forte oder bei der Laufzeitumgebung oder an den geladenen VST-Plugins liegt, ist hier schwer zu sagen.

Die Eindeutschung ist offensichtlich etwas hastig geschehen und könnte an einigen Stellen noch etwas Verbesserung vertragen. Gelegentlich sind Begriffe falsch geschrieben oder zu lang für den verfügbaren Platz, hören also mitunter an der spannendsten Stelle auf (Beispiel siehe rechts). Damit kann man aber leben.

Fazit

Forte scheint mir besonders geeignet, wenn es auf eine gute Zusammenarbeit mit MIDI-Equipment ankommt, und wenn man sich auf den modernen Notensatz beschränken kann. Die ideale Zielgruppe sind wahrscheinlich diejenigen, denen es vor allem aufs Musizieren ankommt, und die „nebenbei“ und ohne großen Aufwand auch Noten ihrer Werke erstellen wollen. Interessant ist Forte wegen der Rabatte auch für den Musikunterricht.

Eher weniger geeignet ist das Programm dagegen für Notensetzer, denen es auf einen großen Funktionsumfang bei musikalischen Symbolen und auf Feinheiten bei der Formatierung ankommt. Solche Profi-Notensetzer werden wahrscheinlich mit den — allerdings erheblich teureren — Programmen wie Sibelius glücklicher werden.

Kommentar des Lugert-Verlags

Sehr geehrter Herr Koellner,
herzlichen Dank für die Mühe, die Sie sich beim Test von FORTE gemacht haben. Hier ein paar kleine Anmerkungen, die Sie vielleicht noch berücksichtigen können:

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Letzte Änderung: 17.7.2011
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